Lithographien von Orten waren damals sehr gefragt. Namhafte Verlage und Kunstanstalten in München waren hier führend. Wie diese Ansichtskarte im Verlag Regel & Krug aus Leipzig-Reudnitz zeigt, agierten manche Verlage deutschlandweit.
Im Detailbild links oben ist der Gasthof zur Post des Ernst Pfreimter abgebildet. Laut damaligem Handelsregister betrieb er eine Gemischtwarenhandlung und eine Gastwirtschaft. Es finden sich auch die Begriffe "Specereiwaarenhandlung und Gastwirthschaft". Im Jahr 1865 heiratete Ernst Pfreimter in diesen Betrieb ein. Der Vater seiner Braut Maria Putz wurde im Trauungsbuch als „Wirt, Bäcker und Handelsmann“ bezeichnet. Pfreimter bekleidete das Amt des Postmeisters, Bürgermeisters und war auch in örtlichen und überörtlichen Gremien vertreten.
Er war ein großer Unterstützer des Bahnbaus von Passau über Röhrnbach nach Freyung.
Die Ansichtskarte ist nicht gelaufen. Das Herstellungsdatum ist aber durch einen Poststempel auf einer anderen Karte gesichert.
Die Ansichtskarte mit der Gesamtansicht des Ortes, mit einem Jäger und Bauern im Vordergrund, wurde als Lichtdruck durch den renommierten Hoffotographen Alphons Adolph aus Passau hergestellt. Adolph gilt als Pionier und Mit-Erfinder der Ansichtskarte.
Die schöne farbige Ansichtskarte zeigt eine Ortsansicht, die Kirche und den Gasthaus zur Post. Sie stammt aus der Kunstverlags Anstalt Karl Otto Hayd aus München und ist dort unter der Nummer 1247 „deponirt“.
Die schön gestaltete Ansichtskarte zeigt die Verhältnisse der damaligen Zeit. Das große Gebäude im Hintergrund war damals Kaserne. Heute beherbergt es die Deutschordensschwestern und die Universität. Der Platz davor ist heute der „Klostergarten“. Abgebildet sind u. a. die Festzelte der Peschl-Brauerei und der Löwen-Brauerei. Es folgt ein Schießstand und ein „Glückshafen zum Besten der Armen“, wohl von einem Wohlfahrtsverband betrieben. Auf der rechten Bildseite ist der Ausstellungsbereich für die Landwirtschaft. Im Vordergrund eine „Gewinnsthalle“, in dieser Zeit der offizielle Name für einen Losstand mit besonders attraktiven Gewinnen. Das gut besuchte Fest hatte noch viele weitere Attraktionen. An den Seiten der Ansichtskarte sind zwei Verlage aufgeführt. Verlag Moch & Stern, München, bekannter Ansichtskartenverlag der damaligen Zeit und der Verlag J. Hartl, Buchdruckerei Passau. Die Nennung der beiden Verlage zeigt die klassische Arbeitsteilung. Moch & Stern lieferte die aufwendigen Bildvorlagen und besaß die überregionalen Vertriebsrechte. J. Hartl war für den Druck vor Ort und den regionalen Vertrieb zuständig.
In der Marktstraße herrscht an diesem Tag reges Leben. Ein Fotograf war damals eine kleine Sensation und lockte viele Menschen vor das Haus. Ein Bauer, der wohl gerade ein Schwein an einem Seil zum Metzger führt, hält kurz inne. Mit dieser Ansichtskarte gratuliert Hans/Johann Haiböck einem Lehrerkollegen zum Namenstag. Bis ca. 1950 war im katholisch geprägten Bayern der Namenstag einer Person wichtiger als deren Geburtstag. Es gibt aus dieser vergangenen Zeit viele Ansichtskarten mit Wünschen zum Namenstag. Die Karte erschien im Verlag A. Kollinger aus Wegscheid.