Die Nachfrage nach Ansichtskarten war groß. Mit wenigen Worten konnten auf der Bildseite Grußworte an Familienangehörige oder Freunde verschickt werden. Eine Art Whatsapp in früheren Zeiten. Und die Verlage begnügten sich bald nicht mehr mit reinen Fotos. Durch Bildbearbeitung entstanden Mondscheinbilder, Sonnenstrahlen mit Goldeffekt und kolorierte Ansichtskarten. Die farbige Zeichnung auf einer Ansichtskarte war um diese Zeit etwas ganz Besonderes. Die Ansichtskarte stammt aus dem Verlag Ottmar Zieher aus München. Die Motive auf der Karte sind keine speziellen Darstellungen von der Passauer Maidult. Zieher hat diese Motive auch bei ähnlichen Karten verwendet, z. B. Nürnberger Volksfest, Augsburger Dult und weiteren Orten. Auf der Ansichtskarte senden verschiedene Personen Grüße an die Brauereibesitzersgattin Hauser in Windorf. Die Karte wurde am 2. Mai 1900 verschickt.
Auf dem Foto des Photographen Otto Böhm aus Passau ist das Ausmaß des katastrophalen Hochwassers an der Eisenbahnbrücke über den Inn in Richtung Wels/Linz und den Häusern gut erkennbar. Der Kartenschreiber sendet diese Karte „als Revanche“ für eine erhaltene Ansichtskarte an einen Freund.
Eine Bezirksarztwitwe aus Passau sendet einer Lehrersfrau aus Wegscheid Glückwünsche zum Jahreswechsel. „Mondscheinkarten“ waren eine künstlerische Variante der immer beliebter werdenden Ansichtskarten. Auch überörtliche Firmen sahen hier eine gute Einnahmequelle, wie hier Edgar Schmidt aus Dresden.
Diese Lithographie von 1900 erschien im Verlag Jos. Michl aus Perlesreut. Der eigentliche Produzent dieser schönen Ansichtskarte ist auf der Karte nicht vermerkt. Die Produktnummer 1300 deutet auf einen größeren Fachverlag hin, wahrscheinlich aus dem Raum München.
Gruß aus Fürsteneck im schönen Bayerischen Wald
Auf der im Verlag Fritz Moritz, Passau herausgegebenen Mehrbildkarte sind zu sehen: Bahnhofsbereich mit zwei Zügen, die Bahnhofrestauration, das Schloss und die „Blöchertrift“ (Holztrift) auf der Wolfsteiner Ohe.
Die Karte wurde kurz vor Weihnachten mit Grüßen von Fürsteneck nach München versandt und mit der Königlichen Bahnpost befördert. Sie kam noch am Absendetag in München an!